Warum der Hase eine gespaltene Nase hat


Der Mond, der jeden Monat vergeht und wiederkommt, sagte eines Tages zu einem kleinen Tier,

das er sah: „Geh zu den Menschen und sage ihnen, ich wollte ihnen ein Geschenk geben.

So wie ich sterbe und sterbend lebe und wiederkomme, so sollen auch die Menschen sterben und wieder lebendig werden.“

Das Tier schlich mit seiner Botschaft langsam dahin und begegnete unterwegs einem Hasen.

Der Hase fragte: „Was suchst du denn?“

„Ich bin vom Mond zu den Men¬schen geschickt, um ihnen zu sagen, so wie er stirbt und wieder lebendig wird, sollen sie nach dem Sterben wieder lebendig werden.“

Da sagte der Hase: „Du bist ein zu langsamer Bote; lass mich statt deiner gehen, die Botschaft auszurichten.“
Und schon eilte der Hase von dannen, wie der Wind so schnell.

Als er bei den Menschen angelangt war, sagte er: „Der Mond schickt mich, und er lässt euch sagen: So wie ich sterbe und im Tode tot bin, so sollt auch ihr sterben und immer tot sein.“

Als er das gesagt hatte, ging er zum Mond zurück und erzählte ihm, wie flink und brav er wäre und was er den Menschen gesagt hätte.

Aber da wurde der Mond zornig und schalt den Hasen: „Wie kannst du den Menschen etwas sagen, was ich gar nicht gesagt habe?“

Und bei diesen  Worten ergriff er ein Stück Holz und schlug ihm damit auf die Nase.
Seit jenem Tage ist des Hasen Nase gespalten.


Aus "Die schönsten Märchen der Welt für 365 und einen Tag" gesammelt und herausgegeben von Lisa Tetzner